Was ist ein Kampfhund ?

Die Bezeichnung "Kampfhund" steht für den "Beruf" des Hundes und nicht - wie irrtümlich oft angenommen wird - für seine Rassezugehörigkeit. 

Ein Hund, welcher als Kampfhund missbraucht wird, wird zu sogenannten Hundekämpfen eingesetzt. Das Areal, auf dem der Hundekampf stattfindet wird "Pit" genannt. Oft werden die Hunde, die in einer Pit kämpfen Pit Bull genannt, dies ist in diesem Fall wiederum keine Rassebezeichnung. In England, dem Ursprungsland der Hundekämpfe,  wurden zum Glück diese Kämpfe im Jahre 1830 verboten. Leider kommt es im Untergrund immer wieder mal zu illegalen Hundekämpfen in Deutschland oder aber im benachbarten Ausland. 

Hunde, die hierfür verbotenerweise immer noch missbraucht werden, 
benötigen unsere Hilfe - und nicht unseren Hass! 
Denn ein Hundekampf ist und bleibt eine pure Tierquälerei!

Ein weiterer weit verbreiteter Irrtum ist, dass Hunde, die als Kampfhunde eingesetzt wurden oder werden, aggressiv gegenüber Menschen sind. Diese Hunde sind lediglich gegenüber Artgenossen unverträglich. Immerhin muss der Mensch bei Hundekämpfen immer in der Lage sein, die Hunde zu trennen und aus der Pit zu holen. 

Hundekämpfe finden - wenn überhaupt - allenfalls im Untergrund statt und werden von kriminellen, kuriosen Typen organisiert. Aber keinesfalls wird sich ein Liebhaber der als "Kampfhund" verschrienen Hunderassen mit einem solchen kriminellen Menschen auf eine Stufe stellen, sondern gegen den Hundekampf und gegen die Vorurteile gegen bestimmte Hunderassen arbeiten. Aus diesem Grund wird Ihnen wohl kaum ein "echter" Kampfhund beim Spaziergang über den Weg laufen, denn diese sind eher in Kellern eingesperrt, als dass sie spazieren geführt werden. 

Der nächste Irrtum ist, dass der Tod des Gegner-Hundes Ziel eines Hundekampfes ist. Die Hunde könnten sich in Nu totbeissen, wenn sie es ohne jeglicher Beisshemmung darauf anlegen würden. Nein, das wäre wenig unterhaltsam und der Kampfhund-Besitzer wäre bald arm, wenn er nach jedem Hundekampf einen neuen Hund braucht. Gesellschaftliche Unterhaltung ist ja auch Sinn eines Hundekampfes - auf Kosten der Tiere - genauso wie auch Stier- oder Hahnenkämpfe. Die meisten Hundekämpfe enden mit der völligen Erschöpfung der Tiere.

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass die Kiefer und die Beisskraft eines Hundes der Rasse American Staffordshire Terrier oder American Pit Bull Terrier etc. um ein vielfaches kräftiger sind, als beispielsweise die eines Schäferhundes, und deswegen würde von diesen Hunden eine grössere Gefahr ausgehen. Dies ist so nicht richtig. Würde sich die Kiefer- und Gebissform eines solchen Hundes (Stafford/Pit Bull/Bullterrier) so gut zur Tötung bzw. Reissen eines anderen Lebewesens bewähren, so würden doch auch die Wölfe und andere Raubtiere mit einem ähnlichen Kiefer ausgerüstet sein. Der Kiefer der Wölfe ähnelt jedoch eher dem eines Schäferhundes oder Jagdhundes. Die Verletzungen die durch den Biss eines Stafford's entstehen sind nicht wesentlich schlimmer als Bissverletzungen eines anderen grossen Hundes - es wird uns nur durch die Medien als "wesentlich schlimmer" suggeriert. 

Mit dem Verbot der Hundekämpfe in Deutschland wurden zeitgleich alle Kampfhunde "arbeitslos". Die Zucht der Hunderassen American Staffordshire Terrier, American Pit Bull Terrier und Bullterrier basiert seit jeher auf einer Liebhaberzucht mit dem Ziel "Familienhunde". Besonders die genannten Rassen eignen sich oft als Familienhunde, auch in kinderreichen Familien. Sie sind sehr menschenbezogen, gelehrig und unglaublich geduldig im Umgang mit Kindern, weshalb der Staffordshire Bullterrier in England liebevoll "Nanny Dog" (Kindersitter) genannt wird. Übrigens ist der Staffordshire Bullterrier einer der beliebtesten Hunderassen in England.

 

 

Was ist ein Kampfhund – gestern

Einige der heute als “Kampfhunde" stigmatisierten Hunderassen wurden ausschließlich für die Verwendung zur Jagd gezüchtet und eingesetzt. Andere kommen in ihren Ursprungsländern ausschließlich zur Bewachung und Verteidigung der Viehherden gegen vierbeinige Räuber zum Einsatz. Der Kampf dieser Jagd- und Herdenschutzhunde bezog sich also nicht auf den Menschen. Wiederum andere Hunde wurden eingesetzt, um zur Unterhaltung der Menschen gegen ihre Artgenossen oder gegen andere Tiere zu kämpfen. Obwohl das die mit Abstand unrühmlichste Verwendung war, so wurde auch hier Aggressivität gegen Menschen nie gefördert und geduldet. Ganz im Gegenteil, sie wurde mit dem Tode bestraft.

Bullenbeisser

Wettkämpfe waren schon seit jeher in Großbritannien sehr beliebt. Zuerst hatte man zu Schauzwecken Hunde gegen Bären, Löwen, Wölfe und Stiere kämpfen lassen.
Ebenso wurden bereits im 16. Jahrhundert in England erstmals die später sehr beliebten Windhundrennen erwähnt, diese blieben jedoch lange dem Adel vorbehalten.

Aber zum Volkssport wurden sehr bald die Bullenkämpfe. Es wurden hohe Summen auf Bulle oder Hund gesetzt. Der Hund musste versuchen, sich unter den Hörnern, in die empfindliche Oberlippe des übermächtigen Gegners zu verbeissen und so lange festzuhalten, bis der Endorphinbetäubte schließlich umfiel. Oder der Bulle schüttelte durch kräftiges Kopfschleudern den Angreifer ab, spießte ihn mit den Hörnern auf oder zertrat ihn. Man war sehr brutal in der damaligen Zeit.

Stierhatz , 1820, von Henry Alken (1785-1851)

Um den hohen Bedarf an Bullenkämpfern zu decken, entstand eine regelrechte, vermutlich die erste Form kommerzieller Hundezucht. Der Bullenbeißer entstand. Es war eine rigide, leistungsbezogene Auslese auf einige wenige Merkmale, dadurch versteht sich der Bullenbeisser nicht als Rasse, sondern als Hundetypus. Er hatte kein festgelegtes Erscheinungsbild.

Aus dem Bullenbeisser entwickelte sich später übrigens auch der Deutsche Boxer sowie verschiedene Bulldog-Rassen.

 

 

 


Terrier

Es gab unzählige kleine, schneidige und mutige Terrier, die auf den Bauernhöfen lebten. Sie waren ausgezeichnete Rattenfänger und hielten Haus und Hof weitgehend von Ratten frei. Oder sie wurden bei der Dachs- oder Fuchsjagd eingesetzt. Aus diesen Hunden entwickelten sich später beliebte Rassen, wie etwa der Fox Terrier.

Aber auch für diese Hunde entdeckte der Engländer bald ein unterhaltendes Spiel. Beispielsweise wurden etwa 100 Ratten eingepfercht und ein Terrier musste diese so schnell wie möglich töten.

Bull and Terrier

Das Spiel mit den Ratten wurde jedoch bald wieder langweilig und man kam auf eine neue Idee. Der Kampf Hund gegen Hund hielt Einzug! Es stellte sich heraus, dass die Bulldoggen und Bullenbeisser bei einem Kampf gegeneinander nur für ungenügend Aufregung sorgten und wenig die Sensationsgier befriedigte. So kam es, dass man die Bulldogs mit den schneidigen, wendigen und temperamentvollen Terriern des Landes kreuzte – der Bull and Terrier als Hundetypus entstand. Die Brutalität des vor Entzücken kreischenden Publikums war grenzenlos. Dennoch wurde der Hundekampf in Großbritannien 1835 verboten.

Dies veränderte auch die Hundezucht, da die „Zweckmässigkeit“ der Bull and Terrier verloren ging. Seit über hundert Jahren ist nunmehr nicht die Eignung zum Hundekampf, sondern die überlegene Schönheit und das Wesen der Hunde der Maßstab der Hundezucht.

Die Engländer fanden hierin ein neues „Hobby“. Überall in Großbritannien entstanden Zuchtverbände für die alten Landschläge wie für neue Rassen. Die Reinzucht einer Vielfalt von Hunderassen begann.

 

Bull and Terrier Rüde Dustman, Ölgemälde von Benjamin Marshall, 1804

Der Bull and Terrier teilte sich in zwei Schläge auf: Zum Einen entstand der Staffordshire Bullterrier, der bis heute zu den beliebtesten Hunderassen in England gehört, zum Anderen wurde der Bullterrier geschaffen, der nur noch mit seinem Namen an den Bull and Terrier erinnert. Diese Entwicklung vollzog sich auch in Amerika mit den Rassen American Staffordshire Terrier und American Pitbull Terrier, deren Vorfahren Importe oder Geschenke aus Grossbritannien waren.

Während dieser Reinzucht veränderten sich die ursprünglichen Kampfhunderassen erheblich. Aggressivität war bei den Bull- und Staffordshire-Terriern ebenso wenig gefragt, wie bei den modernen Bulldoggen.

 

 


 
Molosser

Die Molosser waren ein Königsgeschlecht in Epirus, etwa dem heutigen Süd-Albanien. Die Mutter Alexander des Großen, Olympias, war eine Tochter des Königs von Epirus. Diese Frau hat nachweislich dort schon große, wehrhafte Hunde gezüchtet, die von Epirus aus in alle Länder der antiken Welt verkauft oder als wertvolle Geschenke mitgebracht wurden.
Alexander der Große (356 bis 326 v. Chr.) hatte diese großen, wehrhaften Hunde mit auf seinen Kriegszügen. Die molosserartigen Hunde wurden niemals systematisch für Hundekämpfe gezüchtet, sondern es waren eher Wächter.

 

In der Geschichtsschreibung finden wir Molosser bei Aristoteles, Homer, Columella und vielen anderen. Die griechische und römische Mythologie ist reich an Beschreibungen und es sind herrliche Darstellungen erhalten geblieben. Als Cäsars Legionen um das Jahr 50 v. Chr. anfingen, Europa zu erobern, waren auch hier Molosserhunde dabei. Es ist durchaus denkbar, dass schon 218 v.Chr. bei Hannibals Zug über die Alpen Molosserhunde mitgenommen wurden; Bernhardiner und Rottweiler könnten die Nachfahren gewesen sein.

 

Aus vielen Nachkommen der Molosserhunde wurden bald eigenständige Schläge. Von Rassen kann man ja erst dann sprechen, wenn es eine Reinzucht mit kontinuierlichen Aufzeichnungen gibt, und das gab es erst zum Ende des 19. Jahrhunderts. Viele dieser Schläge hatten den Namen Mastiff, Mastin, Matain. Die glaubhafteste Deutung dieser Bezeichnung besagt, dass der Name vom keltischen Wort "mas" = "Wohnung" und vom ebenfalls keltischen Wort "tuin" = "bewachen" kommt. Ein "Mastuin" ist also ein "Hund, der die Wohnung bewacht"! Diesen Namen gibt und gab es immer schon in ganz Europa.

 

Vor diesem Hintergrund ist es ein Rätsel, wieso molossoide Hunderassen in der heutigen Zeit als „Kampfhunde“ deklariert werden. Die Politik erklärt es dadurch, dass diese Hunde allein aufgrund ihrer Grösse ein höheres Gefahrenpotential darstellen, als kleinere Hunde. Diese Argumentation ist jedoch mehr als fadenscheinig, da genügend vergleichbar grosse Hunderassen nicht als „hohes Gefahrenpotential“ behandelt werden, wie beispielsweise Bernhardiner, Deutsche Dogge, Neufundländer, Landseer etc.

  

Assyrischer Hund, ca. 640 v.Chr.

 

 


 
Was ist ein Kampfhund – heute

 

Heute leben die Hunde der Rassen American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier und American Pit Bull Terrier und deren Kreuzungen als friedliche Familienhunde – so wie die meisten Hunde dieser Welt auch.

 

Es gibt allerdings noch einige Länder in dieser Welt, wo der Hundekampf noch legal ist. Dies ist jedoch genauso zu verurteilen wie Stier- oder Hahnenkämpfe. Es ist pure Tierquälerei. Hier einige Bilder von armen Kreaturen, die als Kampfhunde missbraucht wurden und von Tierschutzorganisationen gerettet und medizinisch versorgt werden konnten.....

 

  

 

... Angelo versucht zu lächeln....

 

 


 
Die Medien

Der heutige Begriff Kampfhund wurde hauptsächlich von den Medien geprägt. Friedliebende Menschen würden ihre ebenso friedfertigen Familienhunde nie als Kampfhunde bezeichnen – denn es ist einfach nicht richtig. Aber die Medien sehen das anders, denn das Schlagwort Kampfhund zusammen mit emotionsgeladenen negativen Artikeln und furchteinflössenden Bildern schürt die Ängste der Menschen – und erhöht so die Auflage und Einschaltquoten.

Diese Ängste zeigen die fortschreitende Naturentfremdung vieler moderner Menschen. Hunde werden nicht mehr als selbstverständliche Gefährten des Menschen akzeptiert, sondern oft als Bedrohung empfunden. Viele Menschen haben nicht gelernt, Hunde anhand ihres Verhaltens einzuschätzen und ihnen ruhig und gelassen zu begegnen. Allein das Aussehen macht einen Hund für sie zum gefährlichen "Kampfhund"

Insgesamt wird die Gefährlichkeit von Hunden wohl etwas überschätzt. Es entsteht der Eindruck, dass für viele Menschen der "Kampfhund" ein sichtbares Bild ihrer irrationalen Ängste geworden ist. Die Presse und manche Politiker schüren diese Ängste zusätzlich und nutzen sie für ihre eigenen Interessen.

Jedes Jahr im Sommer kommt das von den Medien gefürchtete „Sommerloch“, man kann besonders hier beobachten, dass Vorfälle mit Hunden Aufsehen erregend aufgeputscht und vermarktet werden.

So konnten wir beispielsweise in einer Zeitschrift folgende realitätsfremde Aussage über Hunde, speziell über den Pitbull, finden:

„... der Schäferhund findet Erdbebenopfer unter den Trümmern, der Appenzeller Sennenhund bringt Kühe auf Trab, der Husky zieht den Schlitten übers Eis, der Labrador führt Blinde durch den Verkehr. Und der Pitbull beisst Kinder tot. ...“

Unten sehen wir ein Bild eines Hundes, welches bundesweit seit vielen Jahren die meisten Boulevard-Titelblätter schmückt, wenn es wieder einmal um „Kampfhunde“ geht. Das Originalbild (rechts) wurde für die Schlagzeile in der Berliner Zeitung überbelichtet, das Maul rot eingefärbt und die Schnauze sieht langgezogener aus. Der dicke, schwarze Schriftzug mit dem emotionalen Schlagwort „Angst“ wird auch hier ganz bewusst von den Medien eingesetzt.

Dennoch: Es ist ein friedlicher, gähnender Hund, der uns mithilfe der Fotomontage Angst einflössen soll.

 

                    

 

Dass dieser Hund gähnt ist eindeutig aus der Haltung seiner Zunge, den zurückgezogenen Ohren und den halb geschlossenen Augen zu erkennen. Aber der Hundelaie sieht einfach nur einen Hund, der seinen Fang weit aufreisst. Hundekenner jedoch wissen, dass „gähnen“ Ausdruck von Stress sein kann und auch als Beschwichtigungssignal dient. Möglicherweise will dieser Hund ja nur dem Kameramann mitteilen: „Schau her, ich bin ganz friedlich, bitte bitte tu mir nichts!“

 

 


   Die Politik

Auch Politiker gebrauchen das emotionsgeladene Thema Kampfhunde gerne im Wahlkampf. Auffälligerweise richten sich alle gesetzlichen Maßnahmen bisher gegen wenige, willkürlich nach ihrem Aussehen ausgewählte Rassen. Viele dieser Rassen sind in Deutschland sogar recht selten und stellen allein deswegen keine übermäßige öffentliche Gefahr dar. Dagegen gibt es in großer Zahl Deutsche Schäferhunde, Golden Retriever, Dalmatiner, Boxer und Dobermänner (etc.), die ebenfalls bei falscher Haltung und Erziehung gefährlich werden können und bereits gefährlich geworden sind.

 

Statt Angst zu schüren und Unwissenheit zu dulden, sollten Medien und Politik vermehrt Aufklärung betreiben und unterstützen.

 

 


 
Was ist ein gefährlicher Hund ?

Die Gefährlichkeit eines Hunde lässt sich nicht durch seine Rassezugehörigkeit bestimmen. Deshalb sind Gesetze zum Schutz vor gefährlichen Hunden, die Rassen als „gefährlich“ auflisten und deren Haltung nur mit bestimmten Auflagen erlauben, schlicht und ergreifend ein Schuss ins Ofenrohr. Denn hieraus ergibt sich allenfalls eine Scheinsicherheit.  

So konnte beispielsweise das sechsjährige Mädchen aus Lutzhorn, welches durch einen Schäferhund-Angriff ihr Leben verlor, durch die bestehenden Gesetze nicht geschützt werden.

Auch das Kind, das vom eigenen Dackel ins Gesicht gebissen wurde, hat nicht nur körperliche Schmerzen und Wunden, die irgendwann verheilen. Es hat vor allem einen seelischen Schmerz erlitten, der womöglich ein Leben lang bleibt.

Aber auch diese Kinder hatten ein Recht auf Schutz vor gefährlichen Hunden und nicht „nur“ vor bestimmten Hunderassen.

Was also ist dann ein gefährlicher Hund ?

Hunde jeder Rasse und Mischung können durch menschliches Versagen gefährlich werden. Es sind, wie auch wissenschaftliche Untersuchungen belegen, individuelle Mensch-Hund-Beziehungen, die den letzteren zur Gefährdung seiner Umwelt werden lassen. (Lockwood, 1995)

An dieser Stelle möchte ich Frau Dr. Dorit Feddersen-Petersen, Universität Kiel, zitieren:

„Es gibt Mensch-Hund-Beziehungen, die Indikatoren einer potentiellen Gefährdung aufweisen, die über das „Restrisiko“ der Haltung eines (grossen, sozial expansiven) Hundes hinausgehen. Die Beziehungsschiene Mensch/Hund ist von ganz entscheidender Bedeutung. Denn Hunde kooperieren und konkurrieren mit ganz bestimmten Menschen in ganz besonderer Weise. Das ist canidentypisch. Ein Ausgleich zu dieser häufig ambivalenten Situation wird von bestimmten Menschen nicht verstanden oder so manipuliert, dass sich inadäquates Aggressionsverhalten ihres Hundes entwickeln muss.

 

Es geht also in aller Regel um bestimmte Mensch-Hund-Beziehungen. Problematische Entwicklungen derselben Hunde verschwinden bei anderen Hundehaltern sofort, wie in etlichen Fällen zu belegen war.“

 

Darüber hinaus möchte ich kurz erwähnen, dass die meisten Unfälle mit Hunden im eigenen Haushalt mit dem eigenen Hund passieren.

 

 

 


  Schutz vor gefährlichen Hunden

Die Forderung nach einem Schutz vor gefährlichen Hunden ist durchaus gerechtfertigt und wichtig. Die Frage aber ist, WIE wird ein optimaler Schutz erreicht. Unseres Erachtens am besten dadurch, dass verhindert wird, dass es gefährliche Hunde überhaupt gibt.

 

Vorbeugen

 Jeder Mensch kann sich heutzutage einen Hund anschaffen – ohne jegliche Sachkenntnis über Hunde zu besitzen. Er muss sich auch keine Sachkenntnis aneignen, eine Hundeschule muss er auch nicht besuchen. Und jeder darf mit seinen Hunden züchten. Dies sind so ziemlich die Hauptgründe, warum es gefährliche Hunde gibt.

Wir fordern daher ein Heimtierzuchtgesetz, in dem geregelt ist, wer mit welchen Tieren züchten darf und wer nicht. Zuchttiere sollten auf ihre Zuchttauglichkeit und ihr Wesen überprüft werden. Es sollten nur wesensfeste, gutmütige und gesunde Tiere verpaart werden dürfen. Weiterhin sollte die Zuchtstätte überprüft werden. Es kann nicht sein, dass jeder dahergelaufene Mensch in seiner Etagenwohnung im sechsten Stock Hunde heranzüchtet, die unzureichend auf Menschen, Hunde und Umwelt geprägt bzw. vorbereitet werden.

Unserer Meinung nach sollten nur vom Veterinäramt überprüfte Personen mit ihren überprüften Tieren und der überprüften Zuchtstätte eine (einzuführende) Zuchtlizenz erhalten. Alle anderen Tiere in privaten Haushalten sollten nicht vermehrt werden dürfen. Dies hätte vermutlich auch den Nebeneffekt, dass die Tierheime nicht ständig hoffnungslos überfüllt wären.

Darüber hinaus plädieren wir für die Einführung einer Art Hundeführerschein. Wie ein solcher Hundeführerschein im Detail auszusehen hat, ist noch nicht ausdiskutiert. Aber es sollte jeder Hundehalter mit seinem Hund eine Hundeschule besuchen und den Hund zum Grundgehorsam erziehen. Dies ist unserer Meinung nach in der heutigen industriellen Welt unablässlich. Ferner sollte sich der Halter theoretisches Wissen über Hundeverhalten und Hundesprache aneignen müssen. Es ist erschreckend, wie viele Hundehalter es gibt und wie wenig davon wirklich ihren Hund kennen, verstehen und lenken können.

 

Gefährliche Hunde

Sollten dennoch Hunde einmal unnatürliches aggressives Verhalten gezeigt haben, so ist es unabdingbar, dass dieses Hund-Halter-Gespann sich sofort professionelle Hilfe sucht bei einem Verhaltenstherapeuten für Hunde. Solange dieses Problem nicht gelöst wurde, sollte Leinenzwang erteilt werden. Je nach Schwere des aggressiven Verhaltens muss auch ein Maulkorb angelegt werden, um unbeteiligte Menschen vor dem Hund zu schützen.

 

 


   Aggression ?!

Um feststellen zu können, wann das Aggressionsverhalten des Hundes „gesteigert“ und somit gefährlich ist, muss man wissen, welches Aggressionsverhalten zur canidentypischen Kommunikation gehört.

Die Ausdrucksformen Bellen, Knurren, Fixieren und Abschnappen sind Elemente der normalen Hundesprache. Ein Hund, der diese Verhaltensweisen zeigt, muss nicht gleich ein gefährlicher Hund sein. Um dies beurteilen zu können, muss man die ganze Situation und den Hund kennen.

Eine Hündin, die einen aufdringlichen Rüden anknurrt und wegschnappt, ist nicht gesteigert aggressiv. Wie soll sie denn sonst dem Rüden klar machen, dass seine Aufdringlichkeit nicht erwünscht ist. Gefährlich kann diese nur werden, wenn der Rüde ihre Warnungen missachtet und auch kein Mensch den Rüden von der Hündin wegruft. Denn dann wird die Hündin entweder flüchten oder aber ihrem Missfallen stärker Ausdruck verleihen – durch Beissen. Ein normaler Hund jedoch hat die Beisshemmung erlernt und es wird immer noch nicht zu ernsthaften Wunden kommen.

Gesteigerte Aggressionen entstehen vor allem durch Misshandlungen, Inkompetenz oder nicht artgerechte Haltung. Es gibt folgende Aggressionsformen des Hundes, die auch ineinander übergehen können:

  •     Aggression gegenüber Artgenossen

  •     Aggression gegenüber Menschen

  •     Angstbedingte Aggression

  •     Territoriale Aggression

  •     Ressourcenverteidigung

  •     Aggression von Muttertieren

  •     Aggressives Jagdverhalten und Übertragung des Jagdverhaltens auf Artgenossen

  •     Idiopathische Aggression (auch bekannt als Cockerwut etc.)

  •    Aggressives Spielen

  •    Aggressive Übersprungs- bzw. ersatzhandlung

 

 Anzeichen von Aggression können sein:

  • Beissen

  • Knurren

  • Schnappen

  • Anspringen

  • Zähne fletschen

  • Drohbellen

  • Fixieren

  • Steifer, hölzerner Gang

  • Gesträubtes Nackenfell

  • Hoch getragene steife Rute

  • Erweiterte Pupillen

 

Wenn Ihr Hund ein oder mehrere dieser Anzeichen zeigt, sollten Sie einen kompetenten Tierpsychologen aufsuchen. Das Beissen ist der stärkste und gefährlichste Ausdruck von Aggression. Soweit sollte es eigentlich nie kommen müssen. Diese aggressiven Verhaltensweisen kommen bei allen Hundetypen und – rassen vor, sie sind nicht von der Rasse abhängig (möglicherweise jedoch von der Zuchtlinie).

Das Aggressionsverhalten des Hundes ist ein sehr komplexes Thema. Wer sich näher damit beschäftigen möchte, sollte folgendes Buch gelesen haben:

Das Aggressionsverhalten des Hundes

– Ein Arbeitsbuch von James O’Heare aus dem animal learn Verlag

 

 


   F A Q   -   Kampfhund

 Warum muss es Kampfhunde geben ?

Kampfhunde, die tatsächlich ihren Beruf in der Pit ausüben, muss es gar nicht geben – darf es gar nicht geben ! Diesen Hunden muss unmittelbar geholfen werden, denn der Hundekampf ist schlicht eine Tierquälerei. Menschen, die Hundekämpfe organisieren und leiten, müssen unverzüglich angezeigt werden.

 Hunde der Rassen American Staffordshire Terrier, American Pit Bull Terrier, Bull Terrier und viele mehr muss es genauso wenig geben wie jede andere Hunderasse, die als Familienhunde gehalten werden. Es muss nämlich auch keine Collies, keine Labrador Retriever, keine Bernhardiner, keine Yorkshire Terrier usw. geben. Es muss aber auch keine Perser-Katzen, keine Siamkatzen, keine Norwegischen Waldkatzen geben.....

Aber es gibt sie, weil es Liebhaber dieser Rassen gibt und die jeweiligen Eigenschaften der favorisierten Rassen schätzen. Das ist auch nichts schlimmes. Denn all diese Tiere leben in der Regel im Familienverbund friedlich vor sich hin. Und wenn dem nicht so ist, läuft irgend etwas falsch und man sollte eingreifen.

 

Warum hält sich jemand einen Kampfhund ?

Wir gehen davon aus, dass sich diese Frage nicht auf Kampfhunde (die in der Pit kämpfen und eher selten sind) bezieht, sondern auf Vertreter der diskriminierten Hunderassen.

 Es stellt sich hier die Frage: Warum hält sich jemand überhaupt einen Rassehund und keinen Mischling ? Bei allen Hunderassen wurden bestimmten Eigenschaften herausgezüchtet und gefördert. Dies betrifft das Aussehen des Hundes, seine Gesundheit und auch seine Charaktere. Und genau diese Eigenschaften von Rassehunden sind es, die einige Menschen besonders schätzen.

Es gibt Menschen, die favorisieren eher für kleine, aufgeweckte Hunde (z.B. Yorkshire Terrier), andere für grosse und phlegmatische Hunde (z.B. Mastiff) und wieder andere schätzen zum Beispiel den eigensinnigen Dickkopf eines Bullterriers. Jeder Mensch hat das Recht, sich den Hund zum besten Freund zu machen, der auch am besten zu ihm passt.

 

 Haben Kampfhunde einen Gendefekt ?

Nein. Definitiv nicht. Es gibt nur selten Hunde, die einen Gen-Defekt haben, und wenn, ist dies unabhängig seiner Rassezugehörigkeit.

Hunde sind keine Mutanten – auch American Stafford’s und Bullterrier nicht. Es sind Hunde, wie alle anderen auch. Nicht mehr und auch nicht weniger.

 

Wieviel Tonnen Beisskraft hat ein Kampfhund ?

Es halten sich ja hartnäckige Gerüchte, dass Kampfhunde ein dreihreihiges Gebiss, 82 Zähne und 600t Beisskraft haben. Aber das sind pure Märchen, die sich die Medien für ihre spektakuläre Berichterstattung ausgedacht haben, um bewusst Angst zu schüren.

Fakt ist, dass Angaben über Beißkräfte von Hunden erstmals von Lindner, D.L., Maretta, S.M., Pijanowsky, G.J., Johnson, A.L. und Smith, Ch.W. im Jahre 1995 seriös ermittelt wurden. Die Ärzteschaft untersuchte anhand eines Transponders (Elektronik im Kauknochen) 48 Hunde. Es stellte sich heraus, dass die Beißkraft um so größer sein kann, wie die Rasse es ist. Die größte Beißkraft von sieben getesteten Rassen zeigte ein Rottweiler (1200 kp). Dabei schwankte die Kraft bei den vier getesteten Rottweilern zwischen 280 bis 1200 kp. Ein Retriever brachte es auf 480 kp.

Gleiche Beobachtungen konnten übrigens bei Schimpansen gemacht werden, wo auch das größte Tier die höchste Kraft aufbrachte.

Moxham und Berkowitz wie Profitt et al. wiesen übrigens schon früher nach, dass Menschen Beisskräfte entwickeln können, die im Bereiche zwischen 100 bis 1300 kp variieren. Also sogar den Rottweiler übertreffen können!Eine wissenschaftliche Studie über die Beisskraft der diskriminierten Hunderassen gibt es bislang nicht.

 

 Diese Hunderassen wurden doch zum Kämpfen gezüchtet !

 

Ja, vor rund 100 Jahren und früher wurden Hunde unter anderem für die Unterhaltung „Hundekampf“ gezüchtet (siehe Bull and Terrier etc.). Die Zuchtkriterien von damals sind allerdings schon lange nicht mehr der Maßstab der heutigen Zucht.

Wenn man jedoch einen derart weiten Rückblick in die Geschichte und den damaligen Verwendungszweck der Hunde als ein zulässiges und objektives Beurteilungskriterium ansieht, so hätten demnach unsere guten alten Gebrauchshunderassen überhaupt keine Lebensberechtigung mehr. Betrachtet man deren Verwendung z. B. als Kriegshunde an der Front, als Bewacher und “Greifer" der Häftlinge in den Konzentrationslagern und in gleicher Funktion an der Grenze zwischen West- und Ostdeutschland. Selbst heute im Dienst von Polizei, Bundesgrenzschutz, Zoll etc. werden sie zum Kampf und als Waffe gegen Menschen eingesetzt. Aber auch diese Vertreter dieser Rassen werden nicht für ihren Verwendungszweck gebrauchsfertig gezüchtet und/oder geboren. Vielmehr bedarf es hier vorab einer Überprüfung der Eignung eines jeden Tieres und einer entsprechenden Ausbildung. Nicht anders verhält es sich mit Hunden, die für andere Aufgaben verwendet oder missbraucht werden bzw. wurden.

 

 Haben Kampfhunde eine niedrige Reizschwelle ?

Der Begriff „Reizschwelle“ wird im allgemeinen Sprachgebrauch oft völlig falsch verwendet.

Eigentlich bestimmt die Intensität des Reizes, wann und wie intensiv ein Hund auf den Reiz reagiert. Die besagten Hunderassen zeichnen sich gerade dadurch aus, dass besonders im Umgang mit dem Menschen die Stärke des Reizes schon sehr extrem sein muss, um eventuell eine bedrohliche Situation auszulösen. Was im allgemeinen Sprachgebrauch bedeuten würde, diese Hunderassen haben oft eine sehr hohe Reizschwelle.

Und weil dem so ist, sind besonders diese Hunderassen bei Familien mit Kindern sehr beliebt. Es kommt auch nicht von ungefähr, dass der Staffordshire Bullterrier in seinem Heimatland England als Nanny Dog (Kindersitter Hund) bezeichnet wird.

 

 Verfügen Kampfhunde über eine besondere Beisstechnik ?

Es soll hier unstrittig sein, dass man durchaus einen Hund von beliebiger Rasse durch ein entsprechendes Training zu einem extrem festen Biss veranlassen kann. Dass aber American Staffordshire Terrier oder Bullterrier etc. naturgemäß über eine derartige Beißtechnik verfügen, ist schlicht und ergreifend ein Hirngespinst. Es soll auch hier nicht bestritten werden, dass eine solche Beißtechnik der Wunsch einiger perverser Hundekämpfer war, und auch heute noch ist. Jedoch werden derartige Kriterien, ebenso wie Kampftrieb und Härte, weder in den Rassestandards aufgeführt, noch von seriösen Züchtern der besagten Rassen gewünscht und gefördert.

Ein derartiges Verhalten kann aber durchaus bei jedem Hund jedweder Rassen in extremen Konfliktsituationen wie z. B. Auseinandersetzungen mit Artgenossen auftreten.

 

 Spüren Kampfhunde Schmerzen ?

Selbstverständlich. Jeder Hund spürt Schmerzen - es ist ja auch jeder Hund anatomisch gleich mit Nervenbahnen und Zentralnervensystem ausgestattet. Es ist nur so, dass einige Hunde durch die hohe Selbstsicherheit und ihr Durchhaltevermögen für die Dauer der Stresssituation diesen Schmerz leichter ertragen können. Dies kann für den Menschen jedoch von Nutzen sein, etwa bei Einsätzen von Diensthunden oder auch im Umgang mit Kindern, deren Feinmotorik noch nicht voll entwickelt ist und deshalb oft grob nach einem Hund greifen.

Das Märchen vom 'unzerstörbaren Kampfhund' gehört deutlich in das Reich der Fabel.

 

Beissen Kampfhunde ihre Welpen tot?

Immer wieder mal kann man beim Haustreppen-Tratsch hören, dass Kampfhunde angeblich ihre Welpen totbeissen würden und man deswegen Mutter und Welpen voneinander trennen müsste. Und auch dass sich sogar die Welpen gegenseitig totbeissen. Nun, wenn dem wirklich so wäre, gäbe es wahrscheinlich überhaupt keine Hunde dieser Rassen mehr. Denn sie wären alle ausgestorben. Tritt ein solches Verhalten auf, rührt dies von einem gentechnischen Defekt her und kann hin und wieder bei allen Hunderassen auftreten (dies ist jedoch sehr selten).

 Fazit:

Die Behauptungen über enorme Beißkräfte, dreifache Kiefergelenke, Beißtechniken und Beißkrämpfe sind ebenso ein pures Medienprodukt, wie der Begriff Kampfhund  selbst.

 

Ein Mythos ist immer ein Zeichen von Unwissenheit

- nur deshalb entstehen solche Märchen-.